Sprache – Kognition – Kultur: Sprache zwischen mentaler Struktur und kultureller Prägung – 43. Jahrestagung des Instituts für Deutsche Sprache 6.-8. März 2007
Entgegen den Unkenrufen des Wissenschaftsrates, der die Konjunktur der „Kulturwissenschaften“ in den vergangenen 15 Jahren für einen Holzweg hält, und auch entgegen der Einschätzung des Mannheimer Literatur- und Medienwissenschaftlers Jochen Hörisch in der abschließenden Podiumsdiskussion, der „nicht negierbare“ „Wattebausch-Begriff“ Kultur habe in den vergangenen Jahren beinahe zwangsläufig eine biologistische, naturalistische (und in der Öffentlichkeit dominant wahrgenommene) Gegenbewegung auf den Plan gerufen, kommt der diesjährigen IDS-Tagung das Verdienst zu, nun endlich auch in diesem für die germanistische Linguistik so zentralen institutionellen Rahmen das Verständnis von Sprachwissenschaft als Kulturwissenschaft zum Thema gemacht zu haben. Der dabei nahe liegende disziplinenübergreifende Blick auf Nachbarwissenschaften, die sich als Kulturwissenschaft begreifen und dabei ebenfalls Sprachanalysen betreiben, führte zu einem dezidiert interdisziplinären Programm, bei dem in den Vorträgen und in der Podiumsdiskussion deutlich wurde, worin Anschlüsse an eine sich als eigenständig verstehende Kulturwissenschaft, an die Literaturwissenschaft, Rhetorik und insbesondere die Geschichtswissenschaft bestehen bzw. bestehen könnten oder sollten. Dass die Linguistik als die für Sprache „zuständige“ Wissenschaft sich dabei bisher allzu sehr (wie immer natürlich von disziplinär eher marginal(isiert)en Ansätzen abgesehen) zurückgehalten hat, die Debatten und Forschungen der Disziplinen, in denen seit mindestens zwanzig Jahren der linguistic turn proklamiert ist, zur Kenntnis zu nehmen, deren sprach-bezogene Erkenntnisse in eigene Forschungsstrategien zu „importieren“, aber auch eigene sprachtheoretische, methodologische und empirische Standards in diese Disziplinen zu „exportieren“, wurde dabei ebenso deutlich wie es eine wünschenswerte Folge der Tagung ist, dieser Diagnose nun eine veränderte Praxis folgen zu lassen.
| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-775X.2007.04.06 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-775X |
| Ausgabe / Jahr: | 4 / 2007 |
| Veröffentlicht: | 2007-10-01 |
Seiten 359 - 370