Diese Studie untersucht die Danksagungen in Dissertationen chinesischer Promovierender der Deutschen Sprach- und Literaturwissenschaft an deutschen Hochschulen im Zeitraum von den 1980er- bis zu den 2020er-Jahren. Danksagungen werden dabei als sprachliche Handlungen verstanden, die über die Funktion des Dankens hinaus durch Formen der Selbstdarstellung zur Identitätskonstruktion beitragen. Auf der Grundlage einer qualitativen und quantitativen Analyse von hundert Danksagungen wird aufgezeigt, wie chinesische Promovierende ihre professionelle, soziale und interkulturelle Identität im deutschsprachigen Wissenschaftskontext sprachlich inszenieren. Die Ergebnisse belegen eine diachrone Entwicklung der Identitätsbildung über ca. 45 Jahre, die durch eine doppelte Orientierung geprägt ist: einerseits richtet sie sich an den Normen und Kommunikationsstilen der deutschen Wissenschaftskultur aus, andererseits ist sie in den kulturellen Werten und Bildungsbiografien des chinesischen Herkunftskontextes verwurzelt. Im untersuchten Zeitraum zeigt sich ein Wandel der Identitätsmuster vom „lernenden Novizen“ über den „akademischen Wanderer“ bis hin zum „interkulturellen Segler“, verbunden mit wachsender akademischer Selbstsicherheit, zunehmender interkultureller Kompetenz und einer stärkeren Einbindung in deutsche und internationale akademische Netzwerke.
This study examines the acknowledgements in dissertations written by Chinese doctoral students in German Linguistics and Literature at German universities from the 1980s to the 2020s. Acknowledgements are conceptualized as linguistic actions which go beyond the expression of gratitude and contribute to identity construction through forms of self-presentation. Based on a qualitative and quantitative analysis of a hundred acknowledgements, this study identifies the linguistic means with which Chinese doctoral students construct their professional, social, and intercultural identities within the German-speaking academic context. The findings reveal a diachronic development of identity formation over a period of approximately 45 years, characterized by a dual orientation: on the one hand, it aligns with the norms and communicative conventions of German academic culture, and on the other hand, it is rooted in the cultural values and educational biographies of the Chinese context of origin. Over the period under investigation, the patterns of identity representation shift from that of the “learning novice” through the “academic wanderer” to the “intercultural navigator”, accompanied by growing academic self-confidence, increasing intercultural competence and stronger integration into German and international academic networks.
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-775X |
| Ausgabe / Jahr: | 2 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-06-08 |
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