In dieser Studie wird die Entwicklung der linguistischen Komplexität des Deutschen als Wissenschaftssprache vom 18. bis zum 20. Jahrhundert unter Verwendung der Korpora des Deutschen Textarchivs (DTA) und des Digitalen Wörterbuchs der deutschen Sprache (DWDS) untersucht. Mittels der informationstheoretischen Kolmogorov-Komplexität wird der Sprachwandel in den Dimensionen der allgemeinen, der morphologischen und der syntaktischen Komplexität erfasst. Die diachrone Analyse ergibt, dass die allgemeine Komplexität im 18. Jahrhundert keinen signifikanten Trend aufweist, im 19. und 20. Jahrhundert jedoch ansteigt, was mit der zunehmenden Professionalisierung, Spezialisierung und Komprimierung des modernen wissenschaftlichen Schreibens zusammenhängen könnte. Im 18. und 19. Jahrhundert nimmt die morphologische Komplexität zu, während die syntaktische Komplexität abnimmt. Dies ist wahrscheinlich sowohl auf die historische Gesamtentwicklung des Deutschen als auch auf die Zielsetzungen des wissenschaftlichen Schreibens zurückzuführen. Im 20. Jahrhundert sind in keiner der beiden Dimensionen signifikante Trends zu beobachten, möglicherweise infolge der Sprachstandardisierung und des intensiven Sprachkontakts im Wissenschaftsbereich. Die Korrelationsanalyse zeigt zudem signifikante Korrelationen zwischen allgemeiner, morphologischer und syntaktischer Komplexität.
Based on the corpora of the German Text Archive (DTA) and the Digital Dictionary of the German Language (DWDS), this study examines the development of linguistic complexity in German scientific language from the 18th to the 20th century. Language change is measured using Kolmogorov complexity from information theory along three dimensions: overall, morphological, and syntactic complexity. The diachronic analysis shows that overall complexity exhibits no significant trend in the 18th century but increases in the 19th and 20th centuries, which might be associated with the increasing professionalization, specialization, and compression of modern scientific writing. Morphological complexity rises in the 18th and 19th centuries, whereas syntactic complexity decreases. This disparity between the two dimensions probably reflects the broader historical development of German and the objectives of scientific writing. In the 20th century, no significant trends can be observed in either morphological or syntactic complexity, possibly owing to language standardization and intensive language contact in the scientific domain. The correlation analysis also reveals significant correlations between overall, morphological, and syntactic complexity.
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-775X |
| Ausgabe / Jahr: | 2 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-06-08 |
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