Der vorliegende Beitrag hat die grammatischen Eigenschaften syntaktisch unabhängiger Gedankenreferate in literarischen Texten, der sog. erlebten Rede (= ER), zum Gegenstand. Im Zentrum steht dabei das Zusammenspiel referenzieller Mittel wie Pronomen und Eigennamen mit der Markierung von ER durch deiktische Adverbiale, Exklamative und Tempusformen wie Präteritum und würde-Futur. Dazu entwickeln wir eine experimentelle Studie, die eine Akzeptabilitätsbewertung mit einer Forced-Choice-Aufgabe kombiniert. Wir liefern so empirische Evidenz für vor allem folgende Annahmen: i) ER lässt sich in einfachen Zweisatz- Sequenzen anhand passender grammatischer Merkmale evozieren; ii) ER erlaubt allein Personalpronomen der 3. Person für Referenz auf die Perspektivfigur; iii) Beispiele, die unter der Annahme, dass Präteritumtempora notwendig zu einer erzählerseitigen Retrospektion führen, eigentlich ER erzwingen sollten, tun das tatsächlich nicht. Dies spricht für Theorien, die den Präteritumtempora eine potenziell atemporale Interpretation zuschreiben und so auch keine erzählerseitige Retrospektion erforderlich machen.
In this article we address the grammatical features of syntactically independent representations of a character’s thought in literary texts, so-called free indirect discourse (= FID), in German. We focus on the interplay between referential means (pronouns and proper names) and FID marking via deictic adverbials, exclamatives and tense forms like the preterit and the würde-future. To investigate this interplay, we develop an experimental study which combines an acceptability rating with a forced-choice task. Our study provides empirical evidence for the following: i) by using appropriate grammatical markers, FID can be evoked even in simple two sentence sequences; ii) FID only allows the use of third person personal pronouns for reference to the character whose thoughts are expressed; iii) sentences which should evoke FID if we assume that past tenses necessarily imply a narrator’s retrospection, actually do not do so. The latter supports theories of tense which allow past tenses to be interpreted as atemporal, and thus do not require retrospection on the part of the narrator.
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-775X |
| Ausgabe / Jahr: | 2 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-06-08 |
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